28. Januar 2021

cleveress goes veganuary

Pflanzenbasiert essen ist ein Hype – ob aus Liebe zu den Tieren, für die Umwelt, für die Gesundheit oder einfach aus Neugierde. Aber wie gestaltet sich das Vegan-Sein im Alltag und wie reagiert das Umfeld auf die neue Ernährungsweise?

January + Vegan = Veganuary

Bei diesem veganen Monat handelt es sich um eine Non-Profit Aktion mit Ursprung in England. Seit ihrem Beginn im Jahr 2014 haben sich die Teilnehmenden jedes Jahr mehr als verdoppelt. Ziel der Aktion ist es, die Bevölkerung auf die Problematik unseres Ernährungssystems, insbesondere der Massentierhaltung, aufmerksam zu machen.

Wie lebt es sich vegan?

Ich wollte es genau wissen und habe darum beim Veganuary 2021 mitgemacht. Zugegeben, die Umstellung für mich war nicht riesig. Ich bin seit mehr als einem Jahr Vegetarierin und habe seither auch andere tierische Produkte wie Milch oder Rahm bereits durch pflanzliche Alternativen ersetzt. Trotzdem ist mir während dem Veganuary aufgefallen, in wie vielen verarbeiteten Lebensmitteln tierische Produkte enthalten sind, auch wenn man dies niemals denken würde. Zum Beispiel ist Milchpulver aus mir unerklärlichen Gründen in Produkten wie Bouillon, Cracker oder Suppen zu finden. Auch Ei und Honig werden oft dazugegeben. So musste ich mich das ein oder andere Mal zurückhalten und die Weihnachtsschokolade erstmal im Vorratsschrank bunkern. Dank meinem Ernährungswissen und einem sehr anpassungsfähigen Umfeld war es jedoch kein Problem, mich einen Monat lang komplett vegan zu ernähren. Ich würde sogar sagen, dieser Monat hat mein Ernährungs- und Kochwissen erweitert und meine Kreativität in der Küche gefördert.

Vegan = Nährstoffmangel?

Oft gibt es Bedenken zu verschiedenen Nährstoffen, die durch das Auslassen von tierischen Produkten kritisch sein können. Eine vegane Ernährung sollte durchaus gut geplant sein. Hilfreich ist dabei, eine Ernährungsfachkraft hinzuzuziehen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Als kritische Nährstoffe gelten unter anderen Vitamin D, Zink, Omega-3 Fettsäuren, Selen und Vitamin B12. Dabei gilt zu beachten, dass bei einer omnivoren (Allesesser) Ernährung genauso Mängel auftreten können, wenn sie zu einseitig gestaltet wird.

Als Ernährungsberaterin mit grossem Interesse für die pflanzenbasierte Ernährung konnte ich meinen Proteinbedarf ohne Probleme mit Tofu und anderen Sojaprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen abdecken. Auch die Nahrungsmittelindustrie ist auf den veganen Zug aufgesprungen und ich war überrascht, wie viele Fleischersatzprodukte es mittlerweile gibt. Ich muss aber zugeben, dass ich mir bezüglich Supplemente nicht gross Gedanken gemacht habe, da ich mich schliesslich nur einen Monat vegan ernährte. Wer sich langfristig entscheidet vegan zu sein, sollte dies aber unbedingt tun. Mit einer gut geplanten veganen Ernährung sowie einigen Tipps und Tricks können fast alle Nährstoffe abgedeckt werden. Eine Ausnahme ist das Vitamin B12: Es kommt ausschliesslich in tierischen Lebensmitteln vor und muss darum zwingend in Form eines Nahrungsergänzungsmittels (Supplement) eingenommen werden.

Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: vegetarian diets. (2016)

«Gut geplante vegetarische, einschließlich vegane, Ernährungsweisen sind gesundheitsfördernd und ernährungsphysiologisch angemessen. Sie können bei der Prävention und Behandlung bestimmter Krankheiten gesundheitliche Vorteile bieten. Rein pflanzliche Ernährungsweisen sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugendzeit, älteres Erwachsenenalter und für SportlerInnen.»

Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: vegetarian diets. (2016)

Mein Fazit

Sich optimal zu ernähren ist immer eine individuelle und herausfordernde Angelegenheit, unabhängig vom Ernährungsstil. Zudem treffen stets mehrere Faktoren aufeinander: Gesundheit, Gewohnheiten, Geschmacksvorlieben, Ethik, Kultur, Religion, Umwelt, Leistung, Gesellschaft, usw. Heutzutage ist es für die meisten Bevölkerungsgruppen möglich, sich vegan zu ernähren und dabei völlig gesund und leistungsfähig zu sein. Ein weiteres Argument für den veganen Lebensstil ist, dass man mit einer rein pflanzlichen Ernährung ein Statement gegen die Massentierhaltung setzt und eine Menge an Umweltbelastungen einsparen kann. Dennoch ist es aus meiner Sicht nicht nötig, sich strikt vegan zu ernähren, um all dem gerecht zu werden. Eine möglichst pflanzenbasierte, vollwertige Ernährung mit einem kleinen Anteil tierischer Produkte ist für die meisten Menschen einfacher zu praktizieren und lässt einen gewissen Spielraum offen. Ausgewogen gestaltet und gut geplant, ist sie gesund und nachhaltig für Mensch und Umwelt.

Bericht: Manuela Jäggi

Quellen

https://veganuary.com

Jungbluth et al. (2012) Umweltbelastungen des privaten Konsums und Reduktionspotenziale

Melina V, Craig W, Levin S. (2016) Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: vegetarian diets.

Rittenau, Niko. (2020) Vegan Klischee ade! Wissenschaftliche Antworten auf kritische Fragen zu pflanzlicher Ernährung. S. 26-27, 32.

Willett, W. et al. (2019). Food in the Anthropocene: The EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems.

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