11. August 2020

Macht Fischers Fritz alles richtig?

Er gilt als entzündungshemmend und gesund fürs Herz – der Fisch auf unserem Speiseplan. Würde man aber auf nachhaltigen Fischfang bestehen, dürfte man ihn lediglich einmal pro Monat essen. Was ist jetzt wichtiger – unsere Gesundheit oder die des Planeten?

Der Gesundheit zu Liebe

Fische – vor allem fettreiche Artgenossen – enthalten Omega-3-Fettsäuren, die sich vielfältig und positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Denn diese Fettsäuren werden nicht wie andere Fette als Energieträger verwertet, sondern für wichtige Aufgaben im Körper benötigt. So schützen die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA unser Herz-Kreislauf-System und sorgen für einen stabilen Blutdruck. Sie unterstützen unser Sehvermögen und die Gehirnfunktion. Dies ist besonders in der Schwangerschaft wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Augen des Fötus.

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach, dass der vermehrte Konsum von Fisch vor allem auch Entzündungen mindern kann. In der grössten Langzeitstudie zu verschiedenen Ernährungsstilen kam heraus: Wer sich vegan, vegetarisch, pescetarisch oder flexitarisch ernährt, hat ein um 12% geringeres Sterberisiko als der klassische Omnivor. Der Gewinner, wenn es um die optimale Gesundheit geht, ist aber der Pescetarier: möglichst pflanzenbasiert, kein Fleisch, aber gelegentlich Fisch.

Fisch mit gutem Gewissen geniessen

So gesund und schmackhaft Fisch auch sein mag, häufiger Fischkonsum ist leider nicht ökologisch. Wir essen momentan so viel Fisch, dass die Bestände unmöglich erhalten werden können. Über 80% der Weltmeere sind überfischt oder sogar gänzlich leergefischt. In die Schleppnetze gelangt mehrheitlich der Beifang, also Fische, die wir nicht essen und die so unnötig sterben müssen.

Beim Zuchtfisch ist Beifang zwar kein Thema. Doch auch hier gibt es bedenkliche Aspekte wie beispielsweise Hormon- und Antibiotikaeinsatz. Durch hohe Infektionsraten sterben teilweise über 30% der Fische. Hinzu kommt ein hoher Energieverbrauch zum Unterhalt der Anlagen. Wer alles richtig machen möchte, kauft am besten nur Fische, deren Bestände momentan unbedenklich sind. Beim WWF gibt es die aktuelle Liste dazu. Weiter macht es Sinn, auf Produktelabels zu achten. Laut Labelinfo  Schweiz schneiden hier das MSC-Gütesiegel für Meeresfische und das ASC-Gütesiegel für Zuchtfische am besten ab.

Weitere Infos über nachhaltigen Fisch in der Schweiz vom passionierten Fischkenner Hene Buri von Fishwork:

Bekomme ich genügend Omega-3-Fettsäuren ohne Fisch?

Die gute Nachricht ist: Wir müssen nicht dauernd Fisch essen, um genügend entzündungshemmende EPA und DHA aufzunehmen. Auch Nuss-, Raps- und Leinöl sowie Baumnüsse und Hanfsamen haben einen positiven Effekt. Omega-6-Fettsäuren in Sonnenblumenöl oder die Arachidonsäure im Fleisch haben hingegen eher eine gegenteilige Wirkung. Wer keinen Fisch mag oder für einen ökologischen Fischkonsum maximal einmal pro Monat Fisch konsumiert, kann sich mit der Unterstützung von EPA und DHA in Nahrungsergänzungspräparaten trotzdem entzündungshemmend ernähren. Hochwertige EPA/DHA-Präparate aus Fischöl sind im Gegensatz zu vielen Fischen schadstofffrei. Wer ganz auf Fischkonsum verzichten will, kann auf rein pflanzliche – also vegane – Präparate aus Algen zurückgreifen.

Empfehlenswerte Dosierung: 500 mg bis 1000 mg EPA/DHA pro Tag

Gesunde Erde – gesunde Menschen

Schlussendlich läuft es immer auf dasselbe hinaus: Es gibt keine verbotenen Lebensmittel und auch keine Wunderlebensmittel, die bei täglichem Konsum ewiges Leben verleihen. Um die Einstiegsfrage zu beantworten: Gesunde Menschen brauchen eine gesunde Erde. Fangen wir jetzt damit an und essen nachhaltig – auch was den Fisch betrifft.

Clevere Tipps zum nachhaltigen Fischkonsum

  • Betrachte Fisch als eine Delikatesse und konsumiere bewusst, dafür mit umso mehr Genuss
  • Achte darauf, Fischsorten zu wählen, die nicht von Überfischung bedroht sind
  • Kaufe ausschliesslich MSC- oder ASC-Produkte
  • Ergänze bei Bedarf deine Ernährung mit EPA und DHA-Präparaten

Lust auf ein Ceviche mit nachhaltigem Karpfen?
Zubereitet nach einem Rezept vom Küchenchef des Restaurant Origen aus Mexiko.

Bericht: Beatrice Liechti & Manuela Jäggi

Quellen

Umweltbelastungen des privaten Konsums und Reduktionspotenziale. Jungbluth et al. (2012)

Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. Willet et al. (2019)

Bewertung der Lebensmittellabels 2015. Hintergrundbericht. Schtiftung Pusch (2015) www.labelinfo.ch

Vegetarian dietary patterns and mortality in Adventist Health Study 2. Orlich et al. (2013)

Alpha-Linolenic and Linoleic Fatty Acids in the Vegan Diet: Do They Require Dietary Reference Intake/Adequate Intake Special Consideration? Burns-Whitmore et al. (2019)

Influence of marine n-3 polyunsaturated fatty acids on immune function and a systematic review of their effects on clinical outcomes in rheumatoid arthritis. Miles et al. (2012)

Marine omega-3 fatty acids and inflammatory processes: Effects, mechanisms and clinical relevance. Calder et al.. (2015)

Maternal supplementation with very-long-chain n-3 fatty acids during pregnancy and lactation augments children’s IQ at 4 years of age. Helland et al. (2003)

The Effects of Long-Chain Omega-3 Fish Oils and Multivitamins on Cognitive and Cardiovascular Function: A Randomized, Controlled Clinical Trial. Pase et al. (2015)

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/fischzucht-spezialsendung-der-fisch-auf-unseren-tellern